Prof. Dr. Stefan Gröner hält die Abschluss-Keynote auf dem HanseCom Forum 2025 zum Them Mobilität der Zukunft: Wie Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren den öffentlichen Personennahverkehr verändern
Zum Vortrag:
Die Mobilität der Zukunft entscheidet sich nicht auf der Autobahn, sondern in Städten, Ballungsräumen und ländlichen Regionen – und damit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Während autonome Autos medial dominieren, findet die eigentliche digitale Transformation des Verkehrs dort statt, wo täglich Millionen Menschen unterwegs sind: in Bussen, Bahnen und Straßenbahnen. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem eines: Künstliche Intelligenz (KI).
ÖPNV unter Druck – und vor einem Wendepunkt
Der ÖPNV steht vor enormen Herausforderungen. Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten, marode Infrastruktur und ein wachsender Mobilitätsbedarf treffen auf hohe Erwartungen an Klimaschutz und Verlässlichkeit. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und Automatisierung die technischen Möglichkeiten grundlegend. Autonomes Fahren, intelligente Steuerungssysteme und datenbasierte Planung versprechen Effizienzgewinne, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.
Gerade im öffentlichen Verkehr kann KI ihre Stärken ausspielen: nicht als futuristisches Gadget, sondern als systemischer Optimierer.
Künstliche Intelligenz als Nervensystem des ÖPNV
Bereits heute steuert KI Fahrpläne, analysiert Fahrgastströme und prognostiziert Verspätungen. In der Mobilität der Zukunft wird sie zum zentralen Nervensystem des ÖPNV. Algorithmen verarbeiten Echtzeitdaten aus Fahrzeugen, Sensoren, Wetterdiensten und Nutzer-Apps, um Angebot und Nachfrage dynamisch aufeinander abzustimmen.
Das Ergebnis: dichtere Taktungen zu Stoßzeiten, flexible Linienführung in Randzeiten und weniger Leerfahrten. Für Fahrgäste bedeutet das kürzere Wartezeiten und zuverlässigere Anschlüsse – für Betreiber sinkende Kosten und bessere Auslastung. Die digitale Transformation des ÖPNV wird damit nicht nur effizienter, sondern auch nutzerzentrierter.
Autonomes Fahren: Besonders relevant für Busse und Nebenstrecken.
Während vollautonome Pkw noch rechtliche und gesellschaftliche Hürden überwinden müssen, ist autonomes Fahren im ÖPNV bereits deutlich weiter. Autonome Busse verkehren in Pilotprojekten auf festen Routen, in Quartieren oder auf Betriebshöfen. Besonders im ländlichen Raum könnten autonome Shuttle-Systeme klassische Linien ergänzen oder ersetzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Autonome Fahrzeuge fahren rund um die Uhr, sind skalierbar und reduzieren den Personalmangel. Gleichzeitig erhöhen sie die Attraktivität des ÖPNV dort, wo bisher kaum Angebote existierten. Die Mobilität der Zukunft wird so nicht nur urban, sondern inklusiver.
Mensch und Maschine: Neue Rollen im öffentlichen Verkehr
Die Einführung von KI und autonomem Fahren bedeutet jedoch keinen Abschied vom Menschen. Vielmehr verändern sich Rollen und Verantwortlichkeiten. Fahrerinnen und Fahrer werden zu Systemüberwachern, Leitstellen zu datengetriebenen Entscheidungszentren. Schulung, Akzeptanz und transparente Kommunikation werden entscheidend für den Erfolg.
Auch ethische Fragen rücken in den Fokus: Wie werden Entscheidungen bei Störungen priorisiert? Wie transparent sind KI-gestützte Entscheidungen? Der ÖPNV wird damit zum Testfeld für gesellschaftlich akzeptierte KI-Anwendungen.
Vernetzte Mobilität statt isolierter Verkehrsmittel
Die Mobilität der Zukunft denkt Verkehr nicht mehr in Silos. KI vernetzt Bus, Bahn, Fahrrad, Sharing-Angebote und Fußverkehr zu einem integrierten System. Mobility-as-a-Service-Plattformen bündeln Angebote, ermöglichen nahtlose Buchung und fördern den Umstieg vom Individualverkehr auf den ÖPNV.
Gerade hier liegt eine große Chance für Deutschland: Wenn der öffentliche Verkehr digital, autonom und intelligent vernetzt wird, kann er zum Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität.
Der ÖPNV als Gewinner der digitalen Transformation
Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren sind keine Bedrohung, sondern eine historische Chance für den öffentlichen Personennahverkehr. Sie machen ihn effizienter, flexibler und attraktiver – vorausgesetzt, Investitionen, Regulierung und gesellschaftliche Akzeptanz ziehen mit. Die Mobilität der Zukunft entscheidet sich nicht an der Frage, ob wir autonom fahren, sondern wie intelligent wir unsere Verkehrssysteme gestalten. Und genau hier hat der ÖPNV die besten Karten.
Zur Veranstaltung:
Das HanseCom Forum setzt Maßstäbe als zentrale Plattform für den Austausch rund um die digitale Transformation im öffentlichen Sektor und im öffentlichen Personennahverkehr. Entscheidungsträger aus Verkehrsunternehmen, Kommunen, Politik und IT treffen hier aufeinander, um über die Zukunft von Mobilität, Verwaltung und Kundenservice zu diskutieren.
Im Fokus des Forums stehen 2025 insbesondere Künstliche Intelligenz, datengetriebene Geschäftsmodelle und die Automatisierung von Prozessen im ÖPNV. Wie lassen sich Kundenanliegen effizienter bearbeiten? Welche Rolle spielen KI-gestützte Dialogsysteme im Service? Und wie können Verkehrsunternehmen ihre Prozesse resilienter, skalierbarer und bürgernäher gestalten? Das HanseCom Forum liefert praxisnahe Antworten – nicht in Form abstrakter Visionen, sondern anhand konkreter Anwendungsbeispiele aus dem Alltag.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration von Technologie und Organisation. Digitale Lösungen entfalten ihren Mehrwert nur dann, wenn sie von Mitarbeitenden verstanden und getragen werden. Entsprechend rücken Change-Management, Qualifizierung und neue Rollenbilder in den Mittelpunkt der Diskussion. Das HanseCom Forum 2025 ist damit weit mehr als eine Fachkonferenz: Es ist ein Orientierungsraum für Entscheider, die den Wandel im ÖPNV und im öffentlichen Sektor aktiv gestalten wollen – strategisch, verantwortungsvoll und mit Blick auf die Menschen, die diese Systeme täglich nutzen.