Keynote von Prof. Dr. Stefan Gröner beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Homburg zum Thema Medizin der Zukunft in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Robotik
Zum Vortrag:
Die Medizin steht an einem Wendepunkt. Künstliche Intelligenz, Robotik und digitale Technologien verändern Diagnostik, Therapie und Versorgung mit einer Geschwindigkeit, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Homburg widmete sich Prof. Dr. Stefan Gröner in seiner Keynote genau diesen Entwicklungen und skizzierte ein differenziertes Bild der Medizin der Zukunft – zwischen technologischem Fortschritt, menschlicher Verantwortung und gesellschaftlichem Wandel. Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsszenario mehr ist, sondern bereits heute ein zentraler Treiber der Digitalen Transformation in der Modernen Medizin.
Künstliche Intelligenz als Motor der medizinischen Innovation
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, wie KI die medizinische Entscheidungsfindung verändert. Moderne KI-Systeme analysieren große Mengen medizinischer Daten, erkennen Muster in Bildgebung, Laborwerten oder klinischen Verlaufsdaten und unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei Diagnosen und Therapieentscheidungen.
Besonders in der Radiologie, Pathologie und Onkologie zeigt sich das Potenzial der Künstlichen Intelligenz: Algorithmen können Tumoren früher erkennen, Krankheitsverläufe prognostizieren und personalisierte Therapieoptionen vorschlagen. Dabei wurde deutlich betont, dass KI nicht als Ersatz für medizinisches Fachpersonal gedacht ist, sondern als intelligentes Assistenzsystem – ein digitaler „Co-Pilot“, der menschliche Expertise ergänzt. Diese Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine steht exemplarisch für die Moderne Medizin der Zukunft.
Robotik: Präzision, Effizienz und neue Möglichkeiten
Ein weiterer Schwerpunkt der Keynote war die Rolle der Robotik im medizinischen Alltag. Operationsroboter ermöglichen hochpräzise, minimalinvasive Eingriffe, die für Patientinnen und Patienten geringere Risiken, kürzere Erholungszeiten und bessere Behandlungsergebnisse bedeuten. Auch außerhalb des Operationssaals gewinnt Robotik zunehmend an Bedeutung. In der Pflege können robotische Assistenzsysteme körperlich belastende Tätigkeiten übernehmen, Personal entlasten und gleichzeitig die Versorgungsqualität verbessern. Angesichts des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen wurde deutlich: Robotik ist kein Luxus, sondern ein notwendiger Bestandteil zukünftiger Versorgungsstrukturen.
Daten als Grundlage der Digitalen Transformation
Ohne Daten keine KI – dieser Grundsatz zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag. Die Digitale Transformation der Medizin basiert auf der intelligenten Nutzung großer Datenmengen aus Bildgebung, Genomik, Wearables und elektronischen Patientenakten.
Gleichzeitig wurde auf die sensiblen Herausforderungen hingewiesen, die mit der Datennutzung einhergehen. Vertrauen ist die hierbei die zentrale Währung der digitalen Medizin. Nur wenn Patientinnen und Patienten sicher sein können, dass ihre Daten verantwortungsvoll und transparent genutzt werden, kann Künstliche Intelligenz ihr volles Potenzial entfalten.
Faktor Mensch: neue Verantwortlichkeiten
Neben technologischen Chancen thematisierte der Vortrag auch kritische Aspekte. Wer trägt die Verantwortung, wenn KI-Systeme Fehlentscheidungen treffen? Wie lassen sich algorithmische Verzerrungen vermeiden? Und wie kann sichergestellt werden, dass KI fair, nachvollziehbar und diskriminierungsfrei eingesetzt wird?
Diese Fragen zeigen: Die Einführung von KI in der Medizin ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine menschliche und gesellschaftliche Aufgabe. Moderne Medizin braucht Verantwortungsbewussheit, kritisches Denken, interdisziplinären Dialog und eine kontinuierliche menschliche Reflexion.
Wandel der ärztlichen Rolle und medizinischen Ausbildung
Ein weiterer zentraler Punkt der Keynote war der Einfluss von KI auf das ärztliche Berufsbild. Die Medizin der Zukunft erfordert neue Kompetenzen: Digitale Gesundheitskompetenz, Verständnis für KI-Systeme und die Fähigkeit, algorithmische Empfehlungen kritisch zu hinterfragen, werden zunehmend Teil ärztlicher Expertise.
Die ärztliche Rolle wandelt sich dabei nicht zu weniger Menschlichkeit – im Gegenteil. Indem KI Routineaufgaben übernimmt, entsteht mehr Raum für Kommunikation, Empathie und individuelle Betreuung. Moderne Medizin wird dadurch nicht technischer, sondern potenziell menschlicher.
Fazit: Zukunft aktiv gestalten
Der Vortrag von Prof. Dr. Stefan Gröner machte deutlich, dass Künstliche Intelligenz und Robotik enorme Chancen für eine bessere, präzisere und effizientere Medizin bieten. Die Digitale Transformation der Medizin ist aber kein Selbstläufer. Sie muss aktiv gestaltet werden – mit dem Menschen im Mittelpunkt, mit transparenter Technologie und mit einem klaren Wertekompass. Die Medizin der Zukunft beginnt heute. Entscheidend ist, wie sie gestaltet wird.
Zur Veranstaltung:
Der Neujahrsempfang der Stadt Bad Homburg ist eine etablierte Tradition im gesellschaftlichen und politischen Kalender der Kurstadt Bad Homburg v. d. Höhe. Jedes Jahr lädt die Stadtverwaltung traditionell zu Beginn des neuen Jahres ins Kurhaus der Stadt, um gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Ehrenamt das vergangene Jahr zu reflektieren und Ausblicke auf kommende Aufgaben und Chancen zu geben. Der Empfang dient als gesellschaftliches Forum des Austauschs, der Vernetzung aber auch der Wissensvermittlung zu hochaktuellen Themen. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist die Keynote, bei der hochrangige Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sprechen. In den vergangenen Jahren nutzten Redner wie der BAFIN-Chef Felix Hufeld, EU-Kommissar Günther Öttinger oder Klaus Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank den Neujahrsempfang als Plattform um Ihre Gedanken mit den Gästen zu teilen. Insgesamt steht der Neujahrsempfang der Stadt Bad Homburg für den Start in ein neues Jahr voller Herausforderungen und Chancen.