Prof. Dr. Stefan Gröner als Experte im Wirtschaftsmagazin von web.de zum Thema „Geschäftsentwicklung der großen amerikanischen Tech-Unternehmen.

Zum Interview mit dem Zukunftsforscher Stefan Gröner:

Im Silicon-Valley herrscht Katerstimmung. Steigende Kosten, ein schwaches Werbegeschäft und Sorgen vor einer weltweiten Rezession drücken auf die Bilanzen der großen Tech-Unternehmen und haben die Kurse an den Technologie-Börsen regelrecht kollabieren lassen. Für die Entwicklung, die den allgemeinen Pessimismus an der Börse noch einmal deutlich übertrifft, gibt es eine ganze Reihe an Erklärungen. Da wären zum einen die makroökonomischen Probleme, also Inflation, steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen, die auf den Bilanzen lasten und Investoren vorsichtiger werden lassen. Insbesondere die dramatisch steigenden Leitzinsen, mit denen die Notenbanken in Europa und den USA die Inflation einhegen wollen, belasten die wachstumsstarken Tech-Konzerne überproportional. Prof. Dr. Stefan Gröner nimmt zusammen mit Prof. Dr. Dries Faems, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship, Innovation und Technologische Transformation an der WHU Stellung zu den aktuellen Entwicklungen.

Zum Unternehmen:

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Zukunftsforscher Stefan Gröner

Auszüge aus dem Interview:

„Die großen Tech-Firmen haben lange von den sehr niedrigen Zinsen profitiert, aufgrund derer viele Anleger gerade auch verstärkt in vermeintlich riskantere Wachstumswerte investiert haben“, erklärt Stefan Gröner, Strategieberater und Business-Professor an der Fresenius University of Applied Science in München. Er warnt: „Diese Verhältnisse sind jetzt auf absehbare Zeit vorbei.“

Auch andere Tech-Unternehmen haben mit hohen Kosten für neue Geschäftsfelder zu kämpfen, etwa Amazon. Für physische Läden, Gesundheitsdienste oder den Lautsprecher-Dienst Alexa, der bisher kaum Gewinne abwirft, verbrennt das Unternehmen Milliarden. So kündigte auch Amazon-Chef Andy Jassy bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen an, den „Gürtel künftig enger schnallen“ zu wollen – und strich 10.000 Stellen.
Stefan Gröner warnt jedoch, in einen generellen Abgesang auf die Tech-Branche einzusteigen. Nicht jedes Geschäftsmodell aus dem Silicon-Valley stehe auf so wackligen Füßen wie Meta, manche Kursentwicklung sei auch eine Übertreibung inmitten eines schwierigen Marktumfeldes. Bei vielen Tech-Größen seien die Geschäftsmodelle vollständig intakt, viele von ihnen seien noch dazu breit diversifiziert. „Apple, Amazon, Alphabet und Microsoft sind kerngesunde Firmen, die zusätzlich zu ihrem Kerngeschäft mit margenstarken Wachstumsbereichen wie Cloud abgesichert sind“, so Gröner. „Ich bin mir sicher, dass sie gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.“